Sigmund Freud war Begründer der Psychoanalyse und einer der großen Vordenker des 20. Jahrhunderts. Aber Sigmund Freud war ebenso Vater von sechs Kindern, Schwiegervater, Großvater. Warmherzig, unterstützend in materieller sowie emotionaler Hinsicht, hielt er intensiven Kontakt über Briefe zu den erwachsenen Kindern. Jetzt ist eine Sammlung dieser Korrespondenz erschienen.
Die Kapitel sind übersichtlich gegliedert. Jeweils ein Kapitel bildet eine Briefstrecke zu Mathilde, Martin, Oliver, Ernst, Sophie. Voran gehen den Briefen die Kurzbiografien der fünf. Die Briefsammlung zeigt eine moderne Haltung des Analytikers im Zwischenmenschlichen, aber auch ein Sittengemälde Österreichs, Ungarns und Deutschlands des vergangenen Jahrhunderts.
Nur Anna – als einzige in Freuds berufliche Fußstampfen getreten – fehlt im Buch. Herausgeber Schröter begründet die Entscheidung vor allem damit, dass in ihrem Fall zu viele berufliche Aspekte in die Korrespondenz zwischen Vater und Tochter einflossen. Leider verliert sich Schröter in seiner Einleitung in tiefer, akademischer Verbeugung für den Psychoanalytiker. Dafür gibt es einen kleinen Punktabzug des ansonsten großartigen, wunderbar editierten und bisweilen sehr ans Herz gehenden Buches.
4 von 5 Punkten